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Unser Weg nach Ungarn

Immer mehr Menschen spielen mit dem Gedanken Ungarn als neue Heimat auszuwählen. Viele von ihnen informieren sich in den sozialen Medien. Was grundsätzlich nicht verkehrt ist. Je mehr Informationen sie haben und je besser sie vorbereitet sind, umso leichter fällt es ihnen sich zurecht zu finden und Fehler zu vermeiden. Leider bekommt man in den sozialen Medien nicht immer nur die besten Informationen. Darum habe ich unsere Erfahrungen mit Behörden, unsere Gedanken und Erlebnisse zu Papier gebracht. Dies kann als kleine Hilfe dienen.

Leseprobe:

Das Geisterhaus

Es ging schon auf die Mittagszeit zu, als wir zu unserer ersten Besichtigung fuhren. An Marcali vorbei und von dort in ein kleines Dorf, ein ganzes Stück von Marcali entfernt. Unterwegs blickten wir von einer Anhöhe im vorbeifahren auf ein Sonnenblumenfeld. Wir fuhren rechts in einen Feldweg und gingen zum höchsten Punkt, um Fotos zu machen. Für uns war dies ein ganz besonderer Moment. Der Anblick der sich uns bot war überwältigend. Gelb, mit ein paar Büschen als grünen Farbtupfern darin, bis zum Horizont. Darüber dieser wunderbare blaue Himmel und eine himmlische Stille. Außer Vogelgezwitscher war kein Laut zu hören. Natur pur. Dazu kam diese klare, angenehme Luft. Trotz Temperaturen von über 30 Grad im Schatten, war das Klima sehr angenehm und nicht so schwül und stickig, wie es in Deutschland häufig ist. Wir hatten plötzlich ein vorher nie gekanntes Gefühl von Frieden, Ruhe und Entspannung. Dieses Bild, diese Ruhe und dieses Gefühl sogen wir in uns auf. Der Zauber Ungarns hatte uns in seinen Bann gezogen. Wir machten noch ein paar Bilder und schon ging es weiter.

Unser Ziel war das leerstehende Haus, von welchem wir die Schlüssel zugeschickt bekommen hatten. Das Navi führte uns in dem Ort in eine spärlich bebaute Seitenstraße. Da die Besitzer seit über zwei Jahren nicht vor Ort waren, gingen wir davon aus, dass das Grundstück ungepflegt ist. Aber der Anblick, welcher uns hier erwartete, hat unsere Befürchtungen noch weit übertroffen.

Wir standen vor einem eingezäunten Grundstück. Das Tor war mit einem Vorhängeschloss gesichert und dahinter war Urwald. Hinter hohem Gras, Gestrüpp und Büschen, stand in 20 Meter Entfernung ein kleines Haus, welches von der Straße aus nur zu erahnen war. Von außen war es zwar nicht sehr vertrauenerweckend, aber da die Bilder im Internet ein schön zurecht gemachtes Innenleben versprachen, beschlossen wir, uns das ganze etwas genauer anzusehen.

Nachdem ich das Vorhängeschloss entfernt und das Tor geöffnet hatte, kämpfte ich mich Richtung Haus vor. Vor der eigentlichen Haustür war noch eine dicke Spanplatte als zweite Tür angebracht, welche ebenfalls mit einem Vorhängeschloss gesichert war. Ich öffnete die Tür und entsicherte mit der Fernbedienung die Alarmanlage, bevor ich die Haustür öffnete. Ein muffiger, modriger Geruch kam mir entgegen. Meine Eltern hatten früher ein Bauernhaus mit einem Natursteinkeller darunter. Dadurch, dass der Keller immer etwas feucht und schlecht belüftet war, roch es dort auch immer so modrig und stickig. Hier in diesem Haus kam noch ein unangenehmer, leicht beißender Geruch hinzu.

Nachdem ich eingetreten war, kam auch meine Frau zur Tür. Sie traute sich nicht ganz heran und wich sofort zurück, als sie den Geruch wahrnahm. Sie meinte sofort, dass wir gar nicht weiter schauen brauchen, denn dieses Haus würde sie nicht betreten.

Die ersten paar Meter auf das Grundstück war Balu noch mit gekommen, aber dann hielt er Abstand zum Haus. Er war nicht zu bewegen in die Nähe des Hauses zu kommen. Meine Frau und er zogen sich gleich wieder zurück.

Obwohl auch ich ein mulmiges Gefühl in dem Haus hatte und mir sofort klar war, dass dies Haus bestimmt nichts für uns ist, war die Neugier doch groß und ich tastete mich durch die Dunkelheit. Durch die geöffnete Tür schimmerte nur ein kleiner Lichteinfall und mich überkam ein leichter Ekel, während ich mich durch Spinnweben zum nächsten Fenster kämpfte, um die Rollläden zu öffnen. Nachdem Licht durch das Fenster fiel,  erkannte ich, das ich mitten in der Küche stand. An manchen Stellen bröckelte der Putz von den Wänden und es sah aus, wie von Geschosshageln eingekerbt. Die Ecken waren schwarz und schimmelig und vor den Fenstern hingen schimmelige Gardinen wie Leichentücher herab.

 

Ein weiterer kurzer Ausschnitt aus dem Buch:

Da wir schnell zurück wollten, um uns auszuruhen, entschieden wir uns für den kürzeren Weg. Bis Alsobogat ging es gut voran. Dann führte uns das Navi auf einen schmalen, geteerten Feldweg. Einen Moment überlegten wir umzudrehen und von hier aus hoch nach Kaposvar zu fahren. Aber da in der Landkarte ein dünner Strich als Weg eingezeichnet war, nahmen wir an, das die Straße bis Somogygeszti so bleibt. Laut Navi waren es nur 3,5 Kilometer. Nach circa 500 Meter führte uns die Straße in einen Wald und nach weiteren 200 Metern war die Straße nicht mehr geteert. Sie ging in einen einfachen Waldweg über, mit ausgefahrenen Spuren. Noch ließ es sich neben den Spuren einigermaßen fahren. An manchen Stellen waren sie so tief ausgefahren, dass wir aufpassen mussten nicht hineinzurutschen. Wäre das passiert, wären wir unweigerlich stecken geblieben. Rückwärts wieder raus zu fahren, war zu gefährlich. Daher beschloss ich, bei der nächsten Gelegenheit wieder zu drehen. 

Je weiter wir fuhren, umso dichter und dunkler wurde der Wald. Die Bäume standen bis dicht an den Wald und es war aussichtslos, das Auto zu wenden. Hier, wo die Sonne keine Chance hatte,den Boden zu erreichen, war der Weg matschiger wie zuvor und damit stieg die Gefahr in die Spuren zu rutschen. An manchen Stellen hatten die Traktoren den Boden so aufgewühlt, dass ich erstmal ausstieg und mir genau ansah, wo ich fahren konnte. Obwohl die Temperaturen hier im schattigen Wald angenehm waren, floss mir der Schweiß in strömen herunter. Wir kamen nur im Schritttempo vorwärts und ich musste oft aussteigen, um zu sehen wo, beziehungsweise ob ich überhaupt weiterfahren konnte. Das Vorankommen war mühselig und anstrengend. Bis zum nächsten Ort schienen die Meter auf dem Navi nicht weniger zu werden. Die Anstrengung und die Angst stecken zu bleiben, war so groß, dass ich mich zusammenreißen musste, nicht anzufangen zu weinen. Wenn hier wirklich nichts mehr vor oder zurück ging, wen konnten wir anrufen, wie sollten wir uns verständigen und wie würde man uns hier raus holen.

Mir schien der Wald war sauer auf uns, weil wir seine Ruhe gestört hatten. Der Weg wurde immer schlimmer und die Äste hingen jetzt bedrohlich weit herunter. Es sah aus, als wollten sie vor uns alles dicht machen und uns am weiterfahren hindern. Meine Nerven waren bis zum Bersten angespannt. Aufgrund meiner Erkrankung war ich körperlich und nervlich am Limit.  Es nutzte alles nichts, wir mussten weiter fahren. Obwohl mein ganzer Körper vor Anstrengung schmerzte und mein Kopf gleich zu platzen drohte, nahm ich meine letzten Kräfte zusammen. Ich musste das Auto und uns irgendwie hier raus bekommen.