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Am liebsten gut!!!

 

Dieses Buch handelt vom Leben des Alwin Neddermann. Dabei geht es um lustige, aber auch um sehr ernste Episoden, von der Kindheit in den sechzigern, bis ins jetzt. Erleben Sie, wie es früher bei Hausschlachtungen zuging und das Leben auf dem Dorf allgemein. Es geht um Liebe, Hass, Suizid- und Mordgedanken.

Aber es geht auch um das Leben mit Fibromyalgie, der Krankheit mit den 1000 Gesichtern. Alwin schildert den langen Weg mit vielen Arztbesuchen und unverständlichen Reaktionen. Die willkürlichen  Machenschaften der Gutachter der Rentenversicherung und die fast Menschen verachtenden Gutachter der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung.

Fibro, wie die Krankheit von den Betroffenen fast liebevoll genannt wird, brachte mich auf den Buchtitel. 

Lange hatte ich nach einem passenden Titel für mein Buch gesucht. Viele Ideen gingen mir durch den Kopf. Obwohl es darin nicht nur um Fibro geht, begleitet und beeinflusst diese fiese Krankheit Alwin fast sein ganzes Leben lang. Da es ein wichtiger Bestandteil seines Lebens war und es stark bestimmte, sollte der Titel einen Bezug dazu haben. Mein erster Favorit war "Mein Kampf"

Das Leben ist von der Geburt bis zum Tod oftmals ein Kampf. Erst recht mit Fibro. Der Kampf mit den Schmerzen und den gefühlt 1000 Symptomen. Der Kampf den Alltag zu meistern. Der Kampf mit den verständnislosen Mitmenschen, die nicht verstehen können wie es den Fibros geht. Denn man sieht es ihnen nicht an. Nicht zuletzt den Kampf mit den Ärzten, die oft die Krankheit nicht kennen. Letztendlich hat der Titel Mein Kampf eine schlimme Vergangenheit und kam, obwohl sehr passend, nicht in Frage.

Vielen Menschen wird oft, wenn man sich lange nicht gesehen hat, die Frage gestellt: "Wie geht es Dir?" Wem es gut geht, der sagt es in der Regel auch. Fibros hingegen, sagen selten wie "beschissen" es ihnen wirklich geht. Sie möchten nicht ständig nur jammern, denn das wäre die Wahrheit. Es vergeht kein Tag, an dem der Schmerz nicht durch den Körper wandert. Manchmal einigermaßen erträglich, im nächsten Moment kaum auszuhalten. Sollen sie das dem Fragenden antworten?

Die Wahrheit wie es einem wirklich geht, möchte selten jemand hören. Oft wird die Frage nur aus Höflichkeit gestellt. Warum ist das so? Liegt es daran, dass sie Angst haben, vor dem was sie nicht kennen? Oder daran, dass sie nicht wissen, was sie antworten sollen. Vielleicht ist der wahre Grund aber auch, dass ihnen das Gejammer ihrer Mitmenschen auf den Geist geht.

Um auf den Buchtitel zu kommen, stellte ich mir die Fragen: Wie möchte ich von meinen Mitmenschen behandelt werden? Wie möchte ich von den Ärzten behandelt werden? Wie möchte ich meinen Alltag bewältigen? Die wichtigste Frage, wie möchte ich, dass es mir geht? Viele Fragen, eine Antwort. " Am liebsten gut!!!" Damit stand der Titel fest.

 

Die Kindheit

Die ersten Jahre, an die Alwin sich erinnern kann, ging es ihm gut. Er wuchs in einem kleinen Dorf in Südniedersachsen auf und hatte zwei Brüder. Den zehn Jahre älteren Hartmut und den fünf Jahre jüngeren Werner. Seine Eltern hatten einen kleinen Nebenerwerbsbauernhof. Vier Schweine, Drei Kühe, Hühner, Enten und Kaninchen gehörten zum Hof. Der Vater ging tagsüber Arbeiten. Bevor er morgens aus dem Haus ging, fütterte er die Tiere. Die Mutter fing an zu melken. Damals musste sie noch mit der Hand melken. Sie saß mit einem Schemel unter der Kuh und hatte einen Eimer zwischen die Knie geklemmt. Bevor sie begann, massierte sie kurz das Euter des Tieres. Dann zog und drückte sie an den Zitzen, bis die Milch in einem scharfen Strahl in den Eimer spritzte.

Wenn sie Glück hatte, standen die Kühe still beim Melken. Manchmal schlugen sie mit dem Schwanz nach den Fliegen, die es im Stall zu Hauf gab. Es kam nicht selten vor, das der Schwanz durch das Gesicht der Mutter fuhr. Schlimmer war es aber, wenn sie einen Schritt machten. Dann musste Alwins Mutter ganz schön jonglieren, um nicht mit dem Schemel umzukippen.

Nachdem die Mutter fertig war mit Melken, füllte sie die Milch in große Milchkannen. Hierin befand sich schon die Milch vom Vorabend. Ein kleines Kännchen voll wurde für den Eigenbedarf weggestellt. Die großen Kannen stellte sie auf eine Karre und brachte sie fort. Ein paar Meter weiter stand eine Bank auf dem Bürgersteig. Diese wurde allgemein als Milchbank bezeichnet. Denn hier stellten die Bauern ihre Milchkannen ab. Später wurden sie von einem Tankwagen abgeholt und zur Molkerei gebracht.

Diese Bank war nicht nur für die Milchkannen gut. Sie eignete sich hervorragend für die Kinder. Oft wurde sie als Treffpunkt genutzt. Oder es wurden Brettspiele darauf gespielt. Meistens spielten die Jungen Fußball auf der Straße davor. Die Bank war das Tor und sie mussten unten rein schießen. Damals fuhren nur wenige Autos dort lang. Dadurch war die Straße allgemein ein beliebter Spielplatz. Es wurden Hinkelkästchen darauf gemalt, oder Felder für Völkerball und Federball. Die Mädchen machten dort meistens Gummitwist.

Zu der Zeit waren Kühe ein wichtiges Hilfsmittel in der Landwirtschaft. Alwins Eltern hatten noch keinen Traktor. Wenn gepflügt werden musste, wurden die Kühe aus dem Stall geholt und der Wagen angespannt. Dann wurden Pflug und Eggen aufgeladen und die Tiere zogen das Gespann hinaus aufs Feld. Dort angekommen, wurden sie vom Wagen befreit und der Pflug hinter gespannt. Bahn für Bahn schleppten sie das schwere Gerät über das Land. Der Vater hatte Mühe die Pflugscharen in der Spur zu halten. Es war harte Knochenarbeit für Mensch und Tier. Diese Arbeit kannte Alwin nur vom erzählen.

Er erinnerte sich daran, wie die Familie, Nachbarn und Bekannte eines Abends auf dem Hof standen und warteten. Dann brachte jemand aus der Schmiede im Nachbarort einen gebrauchten Trecker. Einen Bautz, grün, mit 12 PS. Im Vergleich zu den Fahrzeugen des Gutshofs im Ort, war dies ein kleines Gefährt. Die Freude darüber war in der Familie umso größer, denn es erleichterte die Arbeit ungemein.

Zu der Zeit gab es im Haus noch kein Bad. In der Scheune befand sich ein altes Plumpsklo und für die Nacht hatten die Eltern in ihrem Schlafzimmer einen sogenannten Pinkelpott stehen. Dort gingen auch wir Kinder drauf. Später erzählten die Eltern Alwin, er habe mit diesem Topf der Oma auf den Kopf gehauen. Warum, wusste niemand. Aber er sollte leer und sauber gewesen sein.

Gebadet wurde jeden Samstagnachmittag in einer Zinkwanne. Diese wurde in der Küche aufgestellt. Auf dem alten Holz befeuerten Küchenofen wurde Wasser heiß gemacht und in die Wanne geschüttet. Anschließend wurde Alwin in die Wanne gesteckt und von der Mutter gründlich abgeschrubbt. Das war auch nötig, denn der Bengel kroch in alle Ecken von Stall und Scheune. Dabei gab es immer eine riesen Sauerei im Zimmer, denn Alwin wehrte sich mit Händen und Füßen.

Mitte der 60er Jahre waren die Winter kalt, mit viel Schnee. Alwin liebte es, mit seinen Kumpel im Schnee zu spielen. Sobald sie aus der Schule kamen, ging es sofort raus in die Kälte. Hausaufgaben hatten bis zum Abend Zeit. Sie mussten die Zeit draußen nutzen, solange es hell war.

Mit ihren Schlitten rasten sie die leicht abfällige Dorfstraße hinunter, auf der sie im Sommer oft spielten. Am besten war es, wenn die Schneedecke festgefahren und eine dünne Eisschicht darauf war. Dann donnerten die Metallkufen der Schlitten darüber und alle hatten großen Spaß. Die Fahrbahn machte eine nicht einsichtige Rechtskurve. Die meisten Kinder bremsten vorher ab und fuhren langsam hindurch. Schließlich konnte doch mal ein Auto kommen. Obwohl die Autofahrer wussten, dass ihnen Schlitten entgegen kommen konnten und sie vorsichtig fuhren, war die Fahrt nicht ungefährlich.

Alwin und ein paar seiner Freunde bremsten nicht ab. Schließlich wollten sie möglichst schnell fahren und weit kommen. Sie fuhren die Kurve links außen an und lenkten rechtzeitig ganz eng rechts durch die Kurve. Nach der Kurve wurden sie durch die Geschwindigkeit wieder ganz nach links getragen. Bei der wilden Hatz, purzelten die Rodel so manches mal mit ihren Fahrern wild durch die Gegend. Aber das machte ja den Reiz aus.

Wenn es zu viel schneite, wurden die Schlitten durch den Schnee gebremst. Darum schoben die Jungen den Schnee mit den quer gestellten Schlitten beiseite. Leider war dies meistens nicht sehr erfolgreich.

Ein älterer Anwohner regte sich oft über den Lärm der Kinder auf. Nachdem er ein paar mal Salz auf die Straße gestreut hatte und damit dem Nachwuchs den Spaß verdorben hatte, beschlossen diese, es ihm Heim zu zahlen. In der Dämmerung gossen sie Wasser vor seine Haustür und warteten, bis es gefroren war. Anschließend warfen sie Schneebälle gegen die Fenster, bis der Alte raus kam. Er rutschte auf der Eisbahn aus und landete auf dem Hintern. Das Gelächter und die Schadenfreude der Kinder war groß.

Wenn der Schnee hoch genug lag, konnten sie auch am Waldrand rodeln. Dort war eine Wiese mit starkem Gefälle und zwei Absätzen darin. Wenn sie genügend Schwung hatten, waren die Absätze wie kleine Sprungschanzen. Am Ende der Wiese war ein Stacheldrahtzaun und dahinter floss der Bach, in dem sie im Sommer oft spielten. Bis zum Zaun schafften sie es nie mit ihren Schlitten.

Eines Tages verabredete sich Alwin mit einem Freund zum Schlittenfahren auf der Wiese. Der Freund brachte eine alte Autohaube mit. Die beiden mussten natürlich ausprobieren, wie gut die Fahrt mit der Haube ging. Sie setzten sich darauf, nahmen Schwung und los ging die wilde Fahrt. Die Freude war groß, denn so viel Schwung bekamen die Schlitten nie. Mit lautem scheppern meisterten sie die beiden Sprungschanzen. Dabei wurden sie heftig durchgeschüttelt und sie hielten sich krampfhaft an den Verstrebungen fest. Dann kam der Zaun immer näher. Sie legten sich ganz flach auf ihr Gefährt. Glücklicherweise fehlte die unterste Reihe Stacheldraht. Mit Karacho ging es unter dem Zaun hindurch, hinunter auf das gefrorene Bachbett. Es dauerte nur den Bruchteil einer Sekunde und das Eis knackte kurz, bevor es mit lautem Krachen zusammenbrach. Mit nassen Klamotten krochen sie bibbernd, lachend und fluchend aus dem Wasser und liefen auf dem schnellsten Weg nach Hause. Der Tag hatte sich gelohnt, so eine wilde Fahrt hatten sie noch nie erlebt.

 

Dieses Buch ist fertig geplant und die ersten 35 Seiten geschrieben. Bis es komplett ist, wird noch eine ganze Zeit vergehen.  

Ich werde Sie hier über den Erscheinungstermin, voraussichtlich im Frühjahr 2021, informieren. Vielleicht gebe ich auch immer mal wieder einen Zwischenstand über den Fortschritt meiner Arbeit.

 Ihr

Hubert Laspe